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Robert Koldewei geb.: 1855 in Görlitz gest.: 1920 |
Im Jahre 1895
begann der damals vierzigährige Archäologe und
Kunsthistoriker Robert Koldewey als Lehrer an der Königlichen
Baugewerk- und Maschinenbauschule am damaligen Friedrichsplatz, östlich
der Neiße gelegen. Wie jedoch aus den Briefen des mit einem
interessanten Vollbart versehenen passionierten Junggesellen
hervorging, behagte ihm die Tätigkeit hinter dem Lehrerpult nicht. Viel
interessanter waren die Ausgrabungen in Assos, auf der Insel Lesbos, im
Zweistromland und an anderen orientalischen Fundstellen gewesen. So
blieb die pädagogische Arbeit an der Görlitzer Schule, die er 1898
beendete, nur eine Episode im Leben des verdienstvollen
Wissenschaftlers. Sein Traum hieß Babylon. Im Januar 1899 begann
Koldewey im Auftrage der Direktion der Berliner Königlichen
Museen mit der Realisierung des langgehegten Wunsches. In
einem Brief schrieb er:" Ich könnte aus dem Häuschen sein vor Vergnügen
..., wenn ich mir vorstelle, daß mir einer vor sechzehn Jahren gesagt
hätte, ich solle Babylon ausgraben, so würde ich ihn für verrückt
gehalten haben." Koldewey gelang es, die Prozessionsstraße Babylons,
die wohl wertvollste Straße der Weltgeschichte, freizulegen. 1917
kehrte Robert Koldewey, allerdings merklich gealtert, nach Deutschland
zurück. Die ihm verbliebene Kraft setzte er für die weitere
Publizierung der Grabungsergebnisse ein, nachdem bereits 1913 sein
Bericht ,,Das wiedererstandene Babylon" erschienen war. Der überragende
Archäologe Koldewey verstarb am 4. Februar 1920 und konnte nicht mehr
erleben, wie 1928 der Bildhauer Wilhelm Struck mit bis zu 30
Mitarbeitern im Berliner Museum die Prozessionsstraße und das Ischtar -
Tor wieder aufbaute.
Quelle: Amtblatt der Kreisfreien Stadt
Görlitz, 4. Jahrgang, Ausgabe Nr. 1,03.01.1995 |
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